Der etwas andere Lebenslauf oder ein kurzer Exkurs über die Gefahren der Werbung
Am Beispiel meines persönlichen Werdegang möchte ich Ihnen gerne erklären, warum Werbung – gerade für den Werbtreibenden – vielfach unterschätzte Gefahren birgt.
Aus Sicherheitsgründen fahre ich heute ein hässliches, altes Herrenrad. Wie es dazu kam? Nun, das war folgendermaßen: Bereits in der siebten Klasse begann ich mit dem Texten von Werbung. Tatsächlich! Meine erste Arbeit war ein Werbejingle für mein geliebtes Rennrad der Marke Raleigh. Und genau dieses Rad war eines Tages weg. Irgendjemand radelte darauf davon, ohne meine Einwilligung und auch, ohne mir nachträglich Bescheid zu geben.
Ich habe viel gelernt
Ich gab mir selbst die Schuld. Schließlich hatte ich ja Werbung für dieses Fahrrad produziert. Mir hätte also klar sein müssen, welche Begehrlichkeiten es wecken konnte. Ich fuhr daher fortan unattraktive Fahrräder. Und fahre bis heute gut damit. Trotzdem die Begeisterung für faszinierende Produkte, Marken und Unternehmen blieb. Und so zog es mich nach meinem Abschluss mit einem M.A. in Germanistik und Medienwissenschaften in die Werbung. Ich schrieb fortan als Trainee Fernsehspots für 11880 Telegate, Salesfolder für Mars und Plakate für Borussia Mönchengladbach. Dann schwang ich mich gedanklich wieder auf ein Zweirad und textete und konzipierte 2 Jahre lang bei U5 Communication (heute BBDO Interone) fast ausschließlich für BMW Motorrad.
Kurze Werbepause und dann weiter
Nach einer kurzen Auszeit und leisen Ambitionen für den Lehrerberuf, kehrte ich zurück in die Werbebranche. Arbeiten für Sarotti, Merck, Licher und Fritt stammen aus dieser Zeit, die ich als Texter bei Kämpferteam Düsseldorf verbrachte. 2006 entschloss ich mich dann, den Agenturschreibtisch gegen einen eigenen zu tauschen. Seitdem arbeite ich freiberuflich für Agenturen und Direktkunden, die meiste Zeit gemeinsam mit meinem über die Jahre gewachsenen Netzwerk aus feinen Kolleginnen und Kollegen.
Ich will’s einfach wissen
Das Schreiben und Denken macht mir Spaß. Die Fragezeichen in meinem Kopf werden und werden nicht weniger. Und das ist gut so. So bin ich weiter neugierig und bleibe manchmal auch an der alten Frage hängen, wer wohl 1987 mein Rad mitgenommen hat? Und ich frage mich dann immer auch: Hatte er oder sie vor dem Diebstahl meinen Jingle gehört oder war dieses Produkt, also mein Rennrad, einfach so gut, dass der Dieb es unbedingt mitnehmen musste – quasi aus Instinkt? Nun, ich gehe nachwievor von der ersten Möglichkeit aus. Darum frage ich weiter und bleibe gespannt, was mir als nächstes geklaut wird.